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Seit gestern Nachmittag regnet es ununterbrochen. Die schmale Straße, die von den Bauernhöfen zum kleinen
Ort hineinführt, ist völlig aufgeweicht. Heute ist wieder der Milchwagen darüber gefahren und hat tiefe Furchen im Schlamm
hinterlassen. Sie sind gefüllt mit schmutzig - braunen Wasser. Der Wind weht wieder, wie häufig hier, über die Felder. Es ist
Frühling. Der Raps ist schon verblüht. Die Vögel zwitschern, die Schwalben sind eifrig am jagen, um ihre Jungen mit Insekten
zu versorgen. Man könnte meinen, die Welt ist hier in Ordnung.
Unsere Katzen liegen müde auf ihren Schlafplätzen und dösen. Sie waren wieder letzte Nacht draußen. Wenn es
wärmer wird, dann wollen sie immer nachts raus. Sie sind halt dämmerungsaktive Tiere. Ich stehe am Fenster und schaue hinaus.
Warte, das der Regen aufhört. Es gibt im Garten noch so viel zu tun. Da sehe ich am Wäldchen hinten einen schwarzen Fleck.
Unwillkürlich drehe ich mich um und sehe ich nach meinen Katzen. Nein, sie schlafen. Aber was ist denn das ? - am Wäldchen und
bewegt sich unaufhaltsam zu uns rüber. Für einen Hund vom Bauern ist es zu klein. Vielleicht ist es Jack, der liebe Kater von
nebenan. Aber nein, dort hält er sich nie auf. Da stromern eher meine Kater rum und die schlafen ja. Ich schaue meine Kater
wieder an und muss schmunzeln: Wohlstandskatzen. Unvermittelt heben sie alle drei den Kopf; sie haben etwas gehört. Charly
steht sofort auf und sieht aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Da legt er sich wieder hin. Wieder heben meine Katen ihre Köpfe.
Da draußen ist doch etwas.
Nun hat es aufgehört zu regnen und Burschi möchte raus. Ich öffne ihm die Tür und dann höre ich es
auch: Da jammert eine Katze. Ganz kläglich. Ich rufe 'Miez-Miez' und warte. Burschi sieht mich fragend an, als wolle er mir zu
verstehen geben, dass er doch hier ist. Die Katze jault wieder und ich antworte mit 'miez-miez'. Da bewegt sich etwas in der Hecke.
Wieder rufe ich. Burschi schaut gespannt dorthin. Und dann sahen wir sie, die Katze. Sie schaute vorsichtig zu uns und maunzte.
Nun waren auch Charly und Lucky draußen und sehen die Fremde. Man konnte nur ihren Kopf sehen. Weiter traute sie sich nicht raus.
Burschi ging langsam rüber zur Hecke, wo eben noch die Katze saß. Lucky hinterher. Charly blieb neben mir sitzen uns sah sich um.
Ich lockte die Katze wieder.
Und dann kam sie durch die Hecke, setzte sich auf den Rasen und maunzte abermals. Armes Würmchen, ihr Fell
war ganz durchnässt. Eine hübsche Katze: An den Vorderpfoten trägt sie kleine weiße Puschen und die Hinterpfoten sind auch weiß,
aber ein wenig höher .Ebenso die Schnute. Das Kinn ist schwarz, wie der ganze Körper. Der Nasenspiegel rosafarben und direkt
darunter hat sie einen kleinen schwarzen Punkt, der rund ist wie eine kleine Kugel. Jetzt wälzt sie sich auf den nassen Rasen.
Nun sehe ich ihren weißen Bauch, der einen schwarzen breiten Streifen hat. Gerade so, als trägt sie einen Gürtel. Sie ist sehr
zierlich, dass man meinen könnte, sie ist noch sehr jung. Aber sie ist sehr scheu. Näher als zehn Meter lässt sie keinen an sich
ran. Dann zieht sie sich zurück, bis die Distanz von ca. zehn Metern wieder hergestellt. Burschi geht noch mal langsam auf sie
zu. Ich lobe ihn, denn ich sehe, dass er nichts tun will, sondern einfach mal schnuppern. Doch sie Angst und läuft davon.
Ich rufe sie, aber sie kommt nicht wieder.
Am Abend höre ich dann Gefauche und Gejaule. Da wir hier alle wenigstens eine Katze haben, kommt es
eben mal vor, dass sie sich nicht einig sind. Doch im Allgemeinen vertragen sie sich alle. Nur unser Charly kommt nicht immer
so recht damit klar. Schließlich ist die Katzengemeinschaft im Laufe der Jahre auf zehn gestiegen. Und Charly und auch Burschi
sind jetzt im 12. oder 13.Lebensjahr. Ich geh raus, um nach den rechten zu sehen. Kaum war ich im Garten, schoss auch schon
Findus vorbei und suchte Schutz auf seiner Terrasse. Sie liegt direkt neben unsere. Findus sitzt in Kampfhaltung auf der Bank.
Sein Fell gesträubt, die Ohren ganz nach hinten angelegt. Vor ihm sitzt die kleine fremde Katze .Nein, es ist ein Kater, wie
ich nun sehen kann. Auch er hat sich durch gesträubtes Fell größer gemacht, als er ist. Als er mich sieht, läuft er davon.
Ich beruhige Findus, denn er wird leider öfters von Charly aus unserem Garten vertrieben.
Der fremde Kater sitzt im Rapsfeld und singt. Er ist zu scheu, als das er sich in die Nähe eines
Menschen traut. So geht es ein paar Tage. Man hört ihn maunzen, aber sieht ihn kaum. Dafür bringt er viel Unruhe in die kleine
Katzengemeinschaft. Er fängt an, Nachts um das Haus zu schleichen und laut zu klagen. Ich rufe ihn oft, aber er kommt nicht.
Ich habe das Gefühl, er ist auf Wanderschaft, um sich ein eigenes Revier zu erobern. Es stammt sicher von einen der umliegenden
Höfen und ist vom stärkeren Kater vertrieben worden. Dann gehen sie meistens auf Wanderschaft und suchen eine neue Bleibe.
Wir wollen ihn ins Tierheim bringen. Da wird er medizinisch versorgt. Und so niedlich, wie er aussieht,
findet er mit Sicherheit schnell einen Menschen, der ihm Kost und Logis bietet. Die Entscheidung war also gefallen. Ich konnte
die folgende Nacht nicht schlafen. Immer kreisten meine Gedanken um den Kleinen. Am nächsten Tag war er wieder da. Ich rief ihn,
mit einen gefüllten Futternapf bewaffnet, an den ich laufend klopfte. Da kam er endlich angeflitzt. Blieb aber in sicherer
Entfernung sitzen. Die Augen an den Napf geheftet. Ich stellte den Napf auf unsere Terrasse und entfernte mich ein wenig.
Sofort flitzte er zum Napf und leerte ihn auf einmal. Oha, er hatte etliche Zecken am Körper. Mit klagenden Gesang meldete er
sich Abends wieder an. Meine Kater beobachteten ihn sehr genau. Erst bekamen sie ihr Futter und dann stellte ich für den
Fremden auch einen Napf raus. Diesmal blieb ich ein wenig näher am Napf. Er saß gierig alles auf und ging langsam ein paar
Meter weiter, um sich zu putzen. Anschließend ging er ins Rapsfeld und jaulte. Es war das Lied eines einsamen Katers. So
langsam konnte er sich meinen Katern nähern, ohne von ihnen vertrieben zu werden. Nächster Tag, neuer Versuch. Ich blieb jetzt
am Napf sitzen. Vorsichtig um sich schauend nähert er sich. Ich bewegte mich nicht und sprach leise zu ihm. Er dankte es mir,
indem er mir um die Beine schlich.
Am Abend hatte ich ein Floh- und Zeckenmittel dabei. Das habe ich ihm während seiner Mahlzeit ins Genick
aufgetragen. Eigentlich, ja eigentlich war die Entscheidung über sein weiteres Schicksal gefallen - aber ich wankte. Er ist
sehr scheu. Im Tierheim würde es kaum besser werden. Wir haben schon einige Katzen, die sich hier länger aufhielten, ins Tierheim
gebracht. Denn wer denkt, auf dem Land haben es Katzen besser, als in der Stadt, der irrt. Das Leben ist für Heimatlose ein
täglicher Kampf ums überleben. Auf den Höfen werden sie als Mäusefänger gehalten. Werden sie in der Feldmark gesehen, dann
werden sie getötet. Dann sind es wildernde Katzen! Daher tragen hier alle Katzen, die zum Haus gehören, Halsbänder. Dann werden
sie wenigstens vom Landwirt, der hier auch Pachtinhaber ist, verschont. So jedenfalls ist die Abmachung...
Seit der kleine Flitzer nun von mir gefüttert wurde, fiel das Revierkämpfen flach. Er musste sich nicht mehr
behaupten, ganz nach den Motto: Seht her, ich bin nun der Boss hier. Die Revierordnung blieb so intakt. Er legte weiter seine
Scheu ab. Ab und zu stellte ich seinen Napf ins Haus. Nach anfänglichen Zögern kam er rein. Aber sobald er fertig war, raste
er raus. Charly bewachte dann die Tür wie ein Hund. Um diesen machte der Kleine einen riesigen Bogen. Nun stellte sich aber die
Frage, wie medizinisch versorgen lassen. Auch, wenn ich ihn nun ein wenig kraulen konnte; er wich zurück, sobald ich seinen
Rücken berührte. Unter den Mietern ist eine Tierärztin. Sie bot sich an, den Kater zu kastrieren. Blieb nun die Frage,
wie an ihn rankommen, ohne das er in Panik gerät. Ab sofort bekam er sein Futter nur noch in der Wohnung. Er kam nun immer
rein, vorausgesetzt, der Fluchtweg blieb frei. Am nächsten Wochenende war es soweit. Ich machte die Tür zu und sofort erfasste ihn Panik.
Er jaulte fürchterlich. Das wurde wohl Charly, er ist ja der Boss hier, zuviel. Er ging direkt auf ihn zu
und verpasste ihn eine Ohrfeige. Da wurde er etwas ruhiger. Die Tierärztin kam mit einem speziellen Korb. Da kann man eine
Seite verschieben, sodass der Korb immer schmaler wird. Ich blieb im Hintergrund, damit er mich damit nicht in Verbindung setzt.
Nach der Narkoseimpfung schlief er sofort ein. Nach der OP legten wir ihn ins Bad. Dort hatte er Ruhe vor den meinen. Noch nicht
richtig aus der Narkose erwacht, suchte er gleich nach einen Ausgang. Aber es war viel zu früh. Die Narkose muss erst ganz
aufgehoben werden, sonst besteht die Gefahr, das er unters Auto gerät.
So musste Flitzer, wie ich ihn nannte, noch ein paar Stunden drinnen bleiben. Zeitweilig lag er auf meinen Schoss und schlief.
Als die Tierärztin nach ihm sah, war er sofort wach. Kaum hatte er sie entdeckt, verschwand er hinter der Couch und war durch
nichts zu bewegen, sein Versteck zu verlassen. So machte ich die Tür wieder auf. Er konnte also raus, was er ohne zu zögern auch tat.
Ich aber war in Sorge. Kommt er wieder? Läuft er nicht vors Auto? Ist er schon schnell genug, um sich nicht
vom Jagdhund erwischen zu lassen? Spät am Abend war wieder da und wartet auf sein Futter. Schön - das ist geschafft. Natürlich
lehnte er es nun ab, ins die Wohnung zu kommen. Musste er auch nicht. War froh, ihn überhaupt zu sehen! Das Wetter half am nächsten
Tag etwas nach: ein Gewitter war in vollen Gange. Trotzdem traute Flitzer sich anfangs nicht rein. Er saß unter der Tanne und
wurde nass. Ich stellte den Napf direkt im Wohnzimmer an die Terrassentür. Und der nächste Donnerschall überzeugte ihn dann doch.
Er kam rein, wenn auch sehr misstrauisch, fraß alles schnell auf und raste wieder raus. Der Regen hatte nun etwas nachgelassen.
Abends gegen 22 Uhr gehe ich meistens raus und lege eine Spielrunde mit Charly, Burschi und Lucky ein. Und nun kam Flitzer dazu!
So langsam wird er nun in den Kreis meiner Tiger aufgenommen. Ein schönes Bild!
Es ist Anfang Juni. Und so hat der Kleine Flitzer den ganzen Sommer und Herbst über Zeit, sich zu überlegen,
ob er sich uns anschließen will. Dann hätte er bei schlechtem Wetter ein Dach übern Kopf. Ich treibe ihn nicht - Vertrauen baut
sich halt langsam auf. Was wissen wir denn schon über ihn? Welche Erfahrungen er hat in seinen bisherigen Leben mit den Menschen
gemacht? Ich denke an Burschi. Er ist auch ein Halbwilder. Und wenn ich es recht bedenke, hat er sich auch toll gemacht. Und er
kann auch keine geschlossenen Türen leiden, wenn er mal für 2-3 tage unterwegs ist. Daraus schließe ich, das er eingesperrt war.
Oder die Eule. Wurde vom Vormieter gefüttert, durfte aber nie in die Wohnung. Als wir hier einzogen, schloss sie sich auch aus
freien Stücken uns an. Konnte rein oder raus, wann immer sie wollte. Sie stammte aus einem Wildwurf.
So, langsam muss ich dem Flitzer einen richtigen Namen geben. Ob er sich uns nun soweit anschließt,
daß er auch in der Wohnung verweilt oder nur draußen bleibt. Auf jeden Fall soll er einen Rufnamen haben. Und außerdem: alle
meine Katzen haben einen ganz besonderen Namen. Wie wäre es mit 'Moritz' oder “'Tommy' oder oder oder. Es muss wohl überlegt
sein. Obwohl - Katzen haben ja drei Namen: einen Ruf- und Kose- und ganz geheimnisvollen, den nur die Katzen kennen und uns
Menschen nie nennen.... Ich hoffe sehr ,noch einige Geschichten von vom Flitzer erzählen zu können.
Also Flitzer - komme rein, sollst immer hier willkommen sein!
Das Schicksal von Flitzer ist ungewiß. Er kam eines Tages nicht wieder.
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